Der Sieg Tillys über Christian IV. von Dänemark bei Lutter am Barenberg gab auch dem bayerischen Kurfürsten politischen Auftrieb. Kaum daß die Nachricht in München eingetroffen war, schickte der Kurfürst einen Kurier nach Wien.
Maximilian schwärmte von der „sehr ansehenliche[n] sigreiche[n] victori wider den Khönig in Dennemarkh“, die aus seinem Verständnis „der Allmechtige Gott zu bezeüg: vnd erzaigung seiner mit dem Catholischen hause vnd dessen gerechter Sachen immerdar haltenden beharrlichen assistenz meinem General Leutenant dem Grauen von Tilli […] gnediglich erthailt“ hatte1. Auch wenn der kurbayerische Bote ohne Zweifel seinerseits weitere Details über den Verlauf der Kämpfe an den kaiserlichen Hof übermitteln würde, ließ es sich der Kurfürst nicht nehmen, seinerseits auf die Größe des Siegs zu verweisen. Auf diese Weise, so schloß er diese Ausführungen, würde es dann hoffentlich gelingen, endlich alle Feinde des Kaisers und des Heiligen Römischen Reichs besiegen und damit „den so lang erwinschten edlen friden im Heÿ: Reich dermalen einist widerum reproduciren, bawen vnd stabiliren“ zu können.
Um dieses Ziel zu verfolgen, so führte Maximilian weiter aus, müsse Tilly die Operationen umgehend fortsetzen. Christian IV. habe sich nach Wolfenbüttel zurückziehen können, würde „dise erlitene starkhe niderlag sehr höchstempfinden“ und deswegen „an ihme meinem General Leutenant widerumb zu vindicirn dz eusserste tentiren“ wollen. Seine jetzt noch zerstreute Kavallerie würde der dänische König „wider zusamen zubringen, vnd einen Neüe armada, da ihme nur so lang lufft gelassen werden solle, auff zurichten“ versuchen. Nach bayerischer Einschätzung war dies nicht zu unterschätzen, zudem der Kurfürst auf Nachrichten verwies, „dz damaln schon wider biß in 7000 Schotlender sich mit dennemarckh zu coniungirn im anzug sein sollen“.
Vor dem Hintergrund regte der Kurfürst an, daß das Kontingent an kaiserlichen Truppen, das Wallenstein Tilly überlassen hatte, weiterhin bei der Armee der Liga verbleiben sollte. Nur so sei sichergestellt, daß der ligistische Feldherr den Sieg ausnutzen und die verbliebenen dänischen Kräfte weiter bekämpfen könne. Um möglichen Einwänden vorzukommen, wies Maximilian auch gleich darauf hin, daß Wallenstein auch ohne diese abgegebenen Truppen seinem Gegner Mansfeld „mit seiner beÿ vnd mit sich habenden macht mehr dann genugsam bestant vnd gewachsen ist“. Als Beleg führte der Bayer Korrespondenzen mit Mansfeld an, die man auf dem Schlachtfeld erbeutet hatte.
Maximilian von Bayern rückte also nicht von der Vorstellung ab, daß die kaiserliche Armee unter Wallenstein nach wie vor vor allem zur Unterstützung der Armee der Liga diente. Inwieweit die Ängste vor neuen Rüstungen der kaiserlichen Gegner und dem Zuzug neuer Söldner, hier eben aus Schottland, nicht nur aus taktischen Gründen vorgebracht wurden, sondern tatsächlich die Ängste in München widerspiegelten, ist dagegen schwer auszumachen.
Das Schreiben an den Kaiser beschloß der Kurfürst mit einem anderen Punkt. Er verwies auf die bei Lutter gefangen genommenen Offiziere der feindlichen Armee. Unter ihnen, so stellte Maximilian fest, waren eine ganze Anzahl, die schon einmal bei früheren Kämpfen in Gefangenschaft geraten waren, aber wieder frei kamen, „da sÿe […] auch versprochen haben wider E.Kaÿ. Meÿ. vnd dero gehorsame Chur: Fürsten vnd Stend nimmer mehr zu dienen, iedoch nichts destoweniger solches vergessenlich ausser acht gelassen: ihr von sich gegebnes worth vnd zusagen gebrochen, vnd vber alle erlangte Kheÿserliche gnad vnd perdonanz sich mit höchster vndanckhbarkeit alßbalden wiederumben zu E.M. feinden gewendt vnd geschlagen, auch nur ärger vnd verbitterter worden sein“.
Wie man mit diesen eidbrüchigen Offizieren umgehen sollte, wollte der Kurfürst dem Kaiser anheimstellen, insinuierte aber den Vorschlag, daß „gegen einen vnd anderen durch, offtbesagten Grauen von Tilli ein solche demonstration geschehen möcht“, damit allen anderen „darob ein sichtbares abscheuhliches exempel“ gegeben würden würde: Maximilian von Bayern war nicht zimperlich und hatte mit dem gebrochenen Wort der gefangenen Offiziere auch ein gutes Argument dafür2. Allerdings wurde im Brief deutlich, daß er für die Abstrafung dieser Soldaten – hier konnte es nur um die Exekution gehen – die Verantwortung gerne an den Kaiser schieben wollte.
- Kurfürst Maximilian an Kaiser Ferdinand II., 5. September 1626, BayHStA Kasten schwarz 50 fol. 141-143 Konzept [↩]
- Vgl. zum Umgang mit Gefangenen auch 21. August 1623: Vom Umgang mit Kriegsgefangenen. dk-blog. Abgerufen am 27. August 2026 von https://doi.org/10.58079/nsnx ; ebenso: Wohin mit den Gefangenen? dk-blog. Abgerufen am 27. August 2026 von https://doi.org/10.58079/ns9z . [↩]
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Michael Kaiser (1. September 2026). 5. September 1626: Kurbayerische Pläne nach dem Sieg bei Lutter. dk-blog. Abgerufen am 11. Oktober 2026 von https://doi.org/10.58079/16pn6