Im Juli 1623 lagerte Christian von Braunschweig mit seinem Heer vor Göttingen, als er den Rat der Stadt am 7. Juli (a.St.) wissen ließ, er habe „täglich zu behueff vnßerer Taffell frische Fische vonnoten“ (StA Göttingen, Altes Aktenarchiv, Nr. 5774 fol. 13 Ausf.). Entsprechend ordnete er an, daß man ihm „alle thage“ 24 Pfund Fisch in sein Feldlager schicken solle. „Fisch für den Feldherrn“ weiterlesen
Autor: Michael Kaiser
Ein Zentrum für Historische Friedensforschung
Die VENG ist tot, es lebe das ZHF: In der vergangenen Woche vollzog sich eine akademische Metamorphose, indem die Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte endgültig vom neugegründeten Zentrum für Historische Friedensforschung abgelöst wurde. „Ein Zentrum für Historische Friedensforschung“ weiterlesen
Pommersche Gravamina, Teil VI – politische Destabilisierung
Ein letztes Mal zu der Flugschrift, in der die Gesandtschaft des Herzogtums Pommern auf dem Regensburger Kurfürstentag auf die unerträglichen Zustände in ihrem Land hinwies. Jenseits der Gravamina über die Ausschreitungen der in Pommern einquartierten Truppen ist ein Aspekt festzuhalten, der meist unausgesprochen mitschwingt, in wenigen Passagen dieser Beschwerdeschrift dann auch explizit benannt wird. So heißt es an einer Stelle: „Vnd lassen sich zum 30. theils der Officirer noch wol verlauten / daß sie / vnd nicht der Landsfürst vber die Vnterthanen im Lande zu gebiethen haben.“ (S. 9, Nr. 30) „Pommersche Gravamina, Teil VI – politische Destabilisierung“ weiterlesen
Latein in der Feldkorrespondenz
„Mitunter kamen die lateinischen Weisheiten ihm bequem.“ So Golo Mann in seiner Wallenstein-Biographie über den Protagonisten (S. 408). Und tatsächlich findet man über das gesamte Werk verteilt immer wieder Zitate aus der Korrespondenz des Feldherrn, in der entsprechende Sentenzen auftauchen. „Amor et dominium non patitur socium“, räsonnierte Wallenstein über die damaligen Machtkonstellationen, besonders mit Blick auf Schweden. „Latein in der Feldkorrespondenz“ weiterlesen
Pommersche Gravamina, Teil V – Menschenfresserei
Nr. 52 der Pommerschen Gravamina: Aufgrund der rigorosen Eintreibung von Kriegssteuern durch die Besatzer verlieren die Menschen im Land ihre Lebensgrundlagen; allenthalben breitet sich Hunger aus. Man behilft sich damit, junge Triebe und Knospen von den Bäumen zu ernten, manche essen „wie das Viehe“ Gras, ja manche werden mit Gras im Mund verhungert aufgefunden. Die Not treibt die Menschen sogar dazu, sich vom Fleisch der Toten zu sättigen, und einige haben sogar „jhr eygenen Eltern Fleisch gefressen“. Vor zwei Monaten, so der Bericht in dieser Flugschrift, habe „ein Weib jr Kind schlachten / selbiges kochen / vnd sich also deß Hungers erwehren wollen“. „Pommersche Gravamina, Teil V – Menschenfresserei“ weiterlesen
Kriegserklärungen im 17. Jahrhundert
Irgendwie fing der Krieg an und breitete sich immer weiter aus. Zwar gilt der berühmte Fenstersturz von 1618 in Prag als Auslöser für die Konflikte, die wir dann unter dem Begriff des Dreißigjährigen Kriegs zusammenfassen. Doch einen „regulären“ Beginn des Kriegs, will heißen: eine eigentliche Kriegserklärung, gab es nicht, konnte es angesichts der Konfliktparteien und unterschiedlichen Interventionsmuster mit ihren jeweiligen Legitimationsstrategien auch nicht so einfach geben. Nun hat vor einigen Jahren Bernd Klesmann zum Problem der Kriegserklärungen eine Studie vorgelegt. „Kriegserklärungen im 17. Jahrhundert“ weiterlesen
Pommersche Gravamina, Teil IV – Kommunikationsprobleme
Ein weiteres Mal zu der Flugschrift, in der die pommersche Gesandtschaft ihre Beschwerden auf dem Regensburger Kurfürstentag schriftlich fixiert hatte. An dieser Stelle möchte ich aus der Masse der vorgetragenen Ausschreitungen, die das Land infolge der Quartiernahme durch Wallensteins Truppen zu ertragen hatte, einen Punkt herausgreifen. Das Gravamen Nr. 43 erwähnt, daß das Oberkommando über die einquartierten Truppen „nun ein geraume Zeit her frembden vnd außländischen Personen“ anvertraut worden sei. „Pommersche Gravamina, Teil IV – Kommunikationsprobleme“ weiterlesen
Schonung für die hessischen Lande
Im Frühjahr 1645 sollten kaiserliche Truppen in die westfälischen Lande ziehen. Kurfürst Ferdinand von Köln hatte bereits längere Zeit für diese Aktion plädiert, da feindliche Einheiten immer stärker auch kurkölnische Territorien bedrohten. Nun aber wandte sich der Kurfürst an Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich, der das Kommando über kaiserliche Truppen im Reich führte, mit der Bitte, „daß in den hessischen landen vnd allenthalben der brandt in Stetten, Fleckhen, Haußern vnd dörffern, alß damit niemand gedient wirt, möge ernstlich verbotten werden“ (Bonn 23.5.1646, Schönstein, Fürstlich Hatzfeldt-Wildenburgsches Archiv, Kriegsarchiv Melchior von Hatzfeldt Nr. 236 unfol. Kopie). „Schonung für die hessischen Lande“ weiterlesen
Pommersche Gravamina, Teil III – Profitmaximierung
In der Flugschrift der pommerschen Kriegs-Gravamina von 1630 wird das ganze Panoptikum der Schrecken ausgebreitet, die sich infolge der Einquartierung ergaben. Neben den Exzessen, die die Söldner verübten, werden aber auch Mechanismen deutlich, wie das Militär in diesem Krieg Gewinn machte. Daß Männer sich dafür entschieden, in den Krieg zu ziehen, hatte viel weniger etwas mit Patriotismus oder dem Kampf für die eigene Konfession zu tun; viel mehr spielte das Streben nach Gewinn eine Rolle. Das gilt für den einfachen Söldner genauso wie für den Adligen, der als Offizier diente. Wie ließen sich aber in einem Feldzug Profite erzielen, die den Weg in den Krieg attraktiv erscheinen ließen? „Pommersche Gravamina, Teil III – Profitmaximierung“ weiterlesen
Der Soldat: Schutz oder Übel? Eine Etymologie
“miles dicitur a malo arcendo. ergo hodierni non sunt milites, quia omne malum adferunt.” – Eigentlich erwartet man von den Soldaten, daß sie für den Schutz der Bevölkerung sorgen und Unheil abwehren. Doch in diesen Zeiten ist alles anders, denn nun es ist das Militär, das allem Übel Tür und Tor öffnet. Daher kann man eigentlich nicht mehr von Soldaten sprechen, weil ihr Handeln dem Verständnis des Wortes widerspricht. „Der Soldat: Schutz oder Übel? Eine Etymologie“ weiterlesen
Pommersche Gravamina, Teil II – konfessionelle Gewalt
Eine Gesandtschaft aus dem Herzogtum Pommern reicht im Sommer 1630 vor den Kurfürsten und dem Kaiser eine Supplikation ein, in der die Beschwernisse des Landes vorgestellt werden. Auf 16 Seiten werden in 54 Unterpunkte die Gravamina aufgefächert. In einigen dieser Beschwerden wird deutlich, daß viele Ausschreitungen und Zusammenstöße zwischen der Bevölkerung und dem Militär auch konfessionell motiviert waren – die Spanne reicht von Rücksichtslosigkeiten gegenüber Geistlichen und religiösen Handlungen bis hin zu offener Gewalt. „Pommersche Gravamina, Teil II – konfessionelle Gewalt“ weiterlesen
Rheinische Klöster im Dreißigjährigen Krieg
Soeben ist der zweite Band des Nordrheinischen Klosterbuchs ist erschienen; vor einigen Wochen hatte ich bereits auf die Kapuziner in der Schenkenschanz hingewiesen. Das vorliegende Lexikon behandelt die kirchlichen Einrichtungen in der Vormoderne, alphabetisch organisiert von Düsseldorf bis Kleve, und bietet einen kursorischen Überblick über Schicksale dieser kirchlichen Institute. Dieses Werk stellt auch für alle, die sich mit dem Dreißigjährigen Krieg beschäftigen, höchst aufschlußreiche Befunde vor. „Rheinische Klöster im Dreißigjährigen Krieg“ weiterlesen
Wichtiger als Wallenstein?
Jan Peters hat vor 20 Jahren erstmals das Tagebuch eines Söldners aus dem Dreißigjährigen Krieg publiziert und wissenschaftlich erschlossen. Eine Sensation, denn Selbstzeugnisse sind in dieser Zeit noch recht selten, erst recht von einfachen Leuten und bislang gar nicht von einem einfachen Söldner aus dem Dreißigjährigen Krieg. „Wichtiger als Wallenstein?“ weiterlesen
Pommersche Gravamina, Teil I
„Pommerland ist abgebrannt“ – so lautet ein Vers aus einem bekannten Volkslied, das oft mit den Verheerungen im Dreißigjährigen Krieg in Verbindung gebracht wird. Der Bezug zu Pommern ist jedoch erst später hergestellt worden, wie die Geschichte dieses Liedes zeigt. Gleichwohl beschreibt dieser Satz einen Zustand, der für das Herzogtum Pommern schon Ende der 1620er Jahre Wirklichkeit geworden war. „Pommersche Gravamina, Teil I“ weiterlesen
Wohin mit den Gefangenen?
Im Frühsommer 1623 hatte Christian von Braunschweig, bekannt vor allem als „toller Halberstädter“, mit seinen Truppen in der Nähe Göttingens, also im Territorium seines älteren Bruders Herzog Friedrich Ulrich, Quartier genommen. In Scharmützeln mit Einheiten der Armee der Liga, die damals im Hessischen operierte, hatte er einige Gefangene gemacht. Was sollte nun mit diesen geschehen? „Wohin mit den Gefangenen?“ weiterlesen